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Donnerstag, 11. Februar 2016

Wir haben doch kein Geld...

Immer wieder stellen sich in Deutschland lebende Menschen die Frage, wo denn das ganze Geld herkommen soll, um geflüchtete Menschen zu unterstützen. Hier mal ein kleiner Versuch, dieses Thema ein wenig mit Zahlen zu beleuchten. Die Sache ist zu umfangreich, um sie wirklich befriedigend in einem kleinen Blogpost darzustellen und ich nehme nur ein paar kleine Punkte. Immerhin soll die Sache ja noch einigermaßen lesbar bleiben.

Der Staatshaushalt ist unglaublich komplex aber es gibt da so einige Sachen, die mir absolut unverständlich sind. So zum Beispiel der eine oder andere Punkt der Subventionspolitik. Grundsätzlich sollten Subventionen auch dem im Bundeshaushalt festgeschriebenen Grundsatz der sorgfältigen Abwägung unterliegen und einer besonderen Rechtfertigung bedürfen. Sie beeinflussen den Markt, sie werden aus dem Geld aller Bundesbürger finanziert und unterstützen dabei kleinere Gruppen. Dies sollte tatsächlich gut überlegt sein. Denn Geld was über diesen Weg aus dem Bundeshaushalt fließt, kann nun mal nicht mehr in Strukturen fließen, die dem Wohle aller dienen.
Ich habe mir hier nur einen ganz kleinen Teil rausgepickt, sonst würde der gesamte Blogpost absolut unleserlich und zahlenverwüstet geraten.

Im 24. Subventionsbericht der Bundesregierung kann man (öffentlich und mit Links zu den Dokumenten) nachlesen, dass sich 2011-2014 das Subventionsvolumen auf maximal 21,8 Milliarden Euro jährlich belief. Der Bericht selbst ist hier zu finden.
Im Bericht stellen sich die Ausgaben relativ stabil dar und ich werde mich hier immer auf die Zahlen von 2014 beziehen. Soviel erstmal zum allgemeinen. Der Bericht ist verdammt lang und besteht aus einer Unmenge an Zahlen. Alles ist öffenltich zugänglich und auch dies ist nur ein Bruchteil der staatlichen Ausgaben. Viele dieser Subventionen dienen letztendlich (wenn auch auf Umweg) wirklich dem allgemeinen Wohl, wenn auch die Subventionierung an sich gelegentlich fragwürdig erscheint. Ich habe nicht vor, hier nur so mit Zahlen um mich zu werfen, aber ein paar benötige ich doch.

Sehr interessant im Punkt Subventionen finde ich zum Beispiel die 58 Mio €, die 2014 in die "Zuschüsse an die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein" (S. 15). Auf Seite 49 ist nachzulesen, dass dies "Sicherung des Absatzes des Agraralkohols; Ausgleich vonWettbewerbsnachteilen in der EU" dient. Aber echt jetzt: Alkohol? Aber immerhin soll das 2017 zu Ende gehen, falls es nicht erneut genehmigt wird.
1,172 Mrd. flossen in Zuschüsse für den Absatzdeutscher Steinkohle zur Verstrohmung etc. um ein sozialverträgliches Auslaufen dieser "Brückentechnologie" zu gewährleisten. (S. 50) Dieser Posten verwirrt mich ein wenig, da es noch Unmengen anderer Subventionen, Beihilfen, Vergünstigungen etc. gibt, um sozialverträgliches zu sichern. Warum man dann dieses Geld wirklich den kohleproduzierenden Unternehmen als Zuschuss zur Verstrohmung der Kohle geben muss, statt zum Umschwenk leuchtet mir nicht wirklich ein. Soll aber auch 2018 auslaufen, wenn nicht... Naja ihr wisst schon. Diese wichtigen Brücken.
Steuermindereinnahmen (nicht Subventionen) der Brandweinsteuer für Steuerermäßigung für Brennereienbis 4 hl A und für Stoffbesitz beläuft sich nur auf 6 Mio. € (S. 60) ist aber immerhin unbefristet. Sehr lustig find ich auch die Befreiungen von Tabak- und Biersteuer, die der Bund Unternehmen gewährt, welche diese Waren herstellen und an die Angestellten verteilt. (S. 63). Auch diese sind unbefristet und belaufen sich insgesamt auf 8 Mio. €. Dieses Ding mit der Eigenheimzulage von 151 Mio. € (S. 69) versteh ich auch nicht so wirklich. Wieso muss Eigentum steuerlich vergünstigt werden?
Das sind jetzt nicht so wahnsinnig viele Posten, aber immerhin sammeln sie sich auf 1,395 Mrd. bei denen ich mir nicht erklären kann, wieso die sein müssen. Der Rest sei mal dahingestellt.

Wenn ich jetzt mal die Ausgaben des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dagegenstelle, so beliefen sich diese 2015 auf 246,89 Mio €. Auch diese wird öffentlich zur Verfügung gestellt.
Selbst wenn ich nur den Teil mit Tabak und Alkohol nehme, käme ich auf 72 Mio. €. Dazu kommen noch diverse andere Subventionen und Steuervergünstigungen.

Tja, aber da wir kein Geld haben, um so viele Menschen aufzunehmen, müssen natürlich andere Länder ihre Schuldigkeit tun. Es können ja nicht alle nach Deutschland.
Dazu mal ein paar andere Daten von UNHCR:

Im ersten Halbjahr 2015 waren über 60 Mio. Menschen auf der Flucht. Ja, in Deutschland gab es in diesem Halbjahr die weltweit höchste Zahl an Asylanträgen mit 159.000. Die sechs größten Aufnahmeländer sind allerdings die Türkei, Pakistan, Libanon, Iran, Äthiopien und der Jordan mit insgesamt 6,6 Mio. Menschen.

Als Fazit: Allein die Subventionen und Steuervergünstigungen für Alkohol und Tabak (beides hat nachweislich erhebliche Folgekosten im Gesundheitswesen kosten 72 Mio. Euro. Die mir insgesamt unverständlichen belaufen sich auf 1,395 Mrd. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte 2015 Ausgaben in Höhe von 246,89 Mio € und die Bevölkerung verfällt in Panik, weil wir das alles nicht leisten können. Wirklich? Echt jetzt?
Von 60 Mio. Menschen auf der Flucht, stellen 159.000 einen Asylantrag in Deutschland und deutschland ist nicht unter den 6 größten Aufnahmeländern. Und hier gibt es wirklich Leute, die von einer Asylschwemme in Deutschland sprechen?



http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Subventionspolitik/grundlagen-der-subventionspolitik.html

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Subventionspolitik/2013_08_13_24-subventionsbericht-der-bundesregierung.html

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Subventionspolitik/2013_08_13_24-subventionsbericht-der-bundesregierung-anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=5

http://www.bundeshaushalt-info.de/#/2015/soll/ausgaben/einzelplan/0633.html 

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten.html


Montag, 25. Januar 2016

Ein Hoch auf die nationale Identität

Was zum Geier ist eigentlich los mit euch? Glaubt ihr eigentlich selbst, was ihr da von euch gebt und konsumiert? Habt ihr euch mal Gedanken gemacht, was hinter der Forderung für eine Obergrenze für aufgenommene Flüchtende steht? Habt ihr euch mal überlegt, was das Konzept eines sicheren Herkunftslandes bedeutet?
Was ist denn sicher? Wir sitzen hier in unserem wunderschönen Schlaraffenland und die einzige Angst, die uns bleibt, ist dass wir nicht mehr genug vom Kuchen abbekommen. Wie dieser verdammte Kuchen zusammengesetzt ist, interessiert dabei allerdings niemanden. Wie jetzt, das ganze ist durch Ausbeutung anderer Menschen entstanden? Mir doch egal, interessiert sich ja auch keiner dafür, wie es mir geht! Aber wenn es an meinen eigenen Wohlstand geht, wenn es darum geht, dass ich zwei von den zwanzig Shirts, von denen ich in meinem Leben sowieso höchstens fünf tragen werde nicht kaufen kann... Wenn ich das zweite Auto der Familie oder den dritten Fernseher im Haus nicht mehr kaufen kann... Ja, da sollte man sich echt mal Gedanken drum machen, ob dieses Dasein noch menschenwürdig ist...

Und außerdem, den Menschen geht es ja gut. Sie haben alle ein Smartphone und so wirklich zerrissen sind die Kleider auch nicht. Also sollten sie gar kein Recht auf Asyl bekommen (Krieg kann man ignorieren, solange man Armut als Asylgrund nimmt) und die anderen? Jetzt mal ehrlich, wenn man sich diese zerlumpten Leute anschaut, die können ja nur assozial sein - die sollen vor Krieg geflüchtet sein? Wie denn das. So wie die aussehen, können es nur kriminelle sein (Armut kann man ignorieren, solange Verfolgung und Krieg Asylgrund sind). Abgesehen davon, weiß man ja, dass die Länder wo die ganzen anderen herkommen sicher sind. Das sagen ja sogar die Politiker und das steht ja auch in der Presse, die sonst nur Lügen schreibt. Merkste selbst. Merkste nicht? Schade.

Und so ganz nebenbei, hat man ja hier völlig zurecht Angst um die Grundwerte dieser Gesellschaft. Wenn ich mir anschaue, was diese "Flüchtlingsflut" mit dem deutschen Staate macht. Alle denken nur noch an sich, versuchen ihr eigenes Hab und Gut in Sicherheit zu bringen und finden vor lauter Panik um ihren eingebildeten Wohlstand den Schalter zum anknipsen des Gehirnes nicht mehr.
Oh, bin ich jetzt grad in die falsche Propagandaschiene gefallen? Nö, nicht wirklich. Oder eher, so bischen schon... Der Grund ist nicht dies angebliche Flut von Menschen, die ein menschenwürdiges Leben führen wollen, in einer Gesellschaft, die vor Luxus nicht mehr weiss, was es heißt Mensch zu sein. Der Grund ist die Verstumpfung von Menschen, die aus Panik ihre materiellen Güter nicht mehr ins Unendliche horten zu können, vergessen haben, was es heißt zu fühlen und Mensch zu sein.

Habt ihr euch jemals mit Menschen unterhalten, denen es wirlich schlecht geht? Mit Obdachlosen gesprochen? Mit Menschen gesprochen, die alles aufgeben, nur um nicht mehr jede Nacht mit Fliegeralarm einschlafen zu müssen? Habt ihr schon Menschen gesehen, die beim schieren Anblick eines Passagierflugzeuges in Panik geraten? Kennt ihr Menschen, die eine Familie bei sich aufgenommen haben und da beeindruckendste, was da zu berichten war ist, wie diese Menschen auf dem Balkon sitzen und stundenlang genießen, dass nichts passiert?

Selbstverständlich gibt es Konflikte. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist, Mensch zu sein. Aber einfach feige den Kopf in den Sand zu stecken und während man diesen noch drin hat im Ausschlagradius der Beine einen Zaun zu ziehen ist keine Lösung. So lecker ist Sand nunmal nicht!

Verdammt, wacht auf. Seht endlich, dass es sich lohnt, Dinge in sein Leben zu lassen, die man noch nicht kennt. Es kostet Kraft, es ist mühsam, sich mit anderen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen. Es wird immer wieder krachen und ja: Arschlöcher gibt es überall. Aber verdammte Axt! ES! LOHNT! SICH!

Das einzige, was mir wirklich Angst macht, ist das Bestreben, "Werte" zu konservieren. Dieser Konservatismus verhindert jedwede Entwicklung. (Und weil wir grad bei Entwicklung sind: Dieses HöherSchnellerWeiter geht mir sowieso gehörig auf die Nerven!) Ohne Austausch hätten wir verdammt wenig. Ihr seid stolz auf die deutsche Kultur, auf die schweizer Kultur, die britische, die französische, die arabische, die achwasweißichdennwasnoch Kultur? Fragt euch mal, was jeder einzelne Literat hätte von sich geben können, ohne dass es einen kulterellen Austausch gegeben hätte! Ihr seid stolz auf "unsere" Wirtschaft, gebt aber einen Scheiß auf globalisierte Ausbeutung? Das nenn ich mal konsequent. Nichts, aber auch wirklich gar nichts ist ohne interkulturelle Kontakte entstanden.
Eine Identität, die nur aufgrund von gleichschrittbestärkter Ausgrenzung anderer sich selbst groß finden kann ist keine Identität, sondern eine Lächerlichkeit. Mit Selbstwert hat das nicht das Geringste zu tun. Wer weiß, was sein eigener Wert ist, braucht keine Nation, keine Abgrenzung von anderem um sich seiner selbst bewusst zu sein. Wer seinen eigenen Wert kennt, hat es nicht nötig, andere zu deklassieren und zu erniedrigen. Hey Pegida, Afd, NPD, SVP und sonstige: das war für euch, geht in die Ecke und schämt euch was. Ihr schafft es doch noch nichtmal zu benennen, worum ihr Angst habt und worauf ihr stolz seid.

Dienstag, 23. Juni 2015

Mir wird schlecht #Freital

Ich frage mich schon länger, warum das rechte Lager ausgerechnet in Sachsen so stark ist. Jede logische Herangehensweise schlägt da absolut ins Leere. Weder gibt es eine nennenswerte Ausländerquote, noch hat Sachsen (und insbesondere Dresden) eine besonders schwache wirtschaftliche Infrastruktur. Das mag auf andere Gebiete im Osten zutreffen, ausgerechnet in Dresden aber nicht wirklich.


Aber jetzt mal völlig abgesehen von der Ursachenfrage: Ich wollte gestern eigentlich nach meinem Radelblogpost einigermaßen gut gelaunt ins Bett gehen und dann #Freital... Mir ist spontan schlecht geworden.

Ich bin in Freital aufgewachsen, zur Schule gegangen und hab eine relativ behütete Jugend verbracht. Seit ich studiere empfinde ich in Dresden und Freital Schwingungen, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Klar ist mir aufgefallen, dass es Stadtteile gibt, in denen es vorrangig Hooligans und Nazis gibt, aber über die Konsequenz hab ich erst viel später angefangen nachzudenken. Das ist nicht erst seit Pegida da, das war latent schon lange, wenn auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich, vorhanden.
Erst als ich diese Umgebung nicht mehr täglich um mich hatte, ist mir aufgefallen, dass das nicht normal ist. Gleichwohl hatte ich noch nie etwas für diesen merkwürdigen und ekelhaften Hass gegen alles Unbekannte übrig. Was ist das eigentlich? Rotten sich da irgendwelche Leute zusammen, die von einer derartigen geistigen Armut gezeichnet sind, dass sie sich nur als etwas wertvolles empfinden können, wenn sie Menschen, denen es wirklich schlecht geht noch so richtig einen drauf geben? Haben die jemals darüber nachgedacht, dass es Menschen gibt, die einfach Hilfe brauchen?

Ach ja, da gibt es ja noch die Mär, dass Asylbewerbern hier alles nachgeworfen würde. Haben Leute, die sowas behauptet jemals ein solches Heim (eigentlich sind es Auffanglager) von innen gesehen? Hat jemals jemand von denen über das Ausmaß an Perspektivlosigkeit nachgedacht, dem diese Menschen ausgesetzt sind? Ich verstehe das alles nicht, aber mit Zwischenmenschlichkeit und logischem Denken muss man an der Stelle nicht kommen.

Als ich versuchte, dieses Gespräch zu führen, kam als Antwort darauf immer wieder: "Und, was geht mich das an? Ich kann nichts dafür, dass es woanders schlecht ist und außerdem weiß man ja, dass die alle Verbrecher sind" Und so weiter, diese Leier ist zur Genüge bekannt. Und mir bleibt immer wieder der Mund offen stehen. Echt jetzt???? Warum dich das interessieren sollte, wie es in solchen Lagern wirklich aussieht? Verdammt nochmal, weil es deine "Argumente" widerlegt! Wieso es dich was angeht, warum diese Menschen flüchten? Weil die Ursachen für Flucht nicht nur im Herkunftsland der Flüchtlinge liegen.

Und in Freital versammelt sich der Mob vor einem Haus voller Menschen und gibt zu verstehen, dass diese nicht willkommen sind. Leider ist die Berichterstattung sehr dürftig. Es gibt kaum offizielle Informationen, auf die man sich wirklich beziehen könnte. Auf Facebook und bei Twitter kann man Feeds von beiden Seiten nachlesen. Beides widerspricht bezüglich der Teilnehmerzahl der öffentlichen Berichterstattung.
Letzten Abend waren es wohl nur ca. 60 Rechte, denen sich im Laufe des Abends und heut des Tages immer mehr Menschenfreunde entgegenstellten aber ich weiß nicht, wo das noch hinführen wird. Es gab gemäß Twitter-Feed Steinwürfe und fliegende Feuerwerkskörper, was aber beides nicht offiziell bestätigt ist. Ich habe echt Angst. Die Übergriffe auf "Andere" nehmen zu. Verdammte Axt! Wer hat euch ins Hirn geschissen, dass ihr vor brauner Brühe keine einzige Hirnzelle mehr aktivieren könnt!?!? Wieso seid ihr der Meinung, dass es auf diesem Planeten Menschen gibt, die weniger wert sind? Wieso meint ihr, dass der Reichtum in diesem Flecken Erde zwar auf der Ausbeutung anderer fußen kann, man aber sobald jemand Hilfe braucht nur noch Steine nach ihm werfen kann?

Samstag, 27. Dezember 2014

Weihnachtliche Gedanken

Seit einigen Wochen bin ich sprachlos und fühle mich ohnmächtig. Was aktuell auf Dresdens Straßen geschieht macht mich nicht nur traurig und wütend, sondern schnürt mir die Kehle zu.
So sehr ich mich auf einige Menschen gefreut habe - ich hatte dieses Jahr Bauchschmerzen bei dem Gedanken, Weihnachten Heim zu fahren. Ich wusste, dass ich mit Pegida im näheren Umfeld konfrontiert werde und ich wusste, dass ich damit nicht umgehen kann. Es handelt sich um Menschen, die ich eigentlich liebe, die ich aber nicht mehr achten kann, wenn ich faschistische Hetze aus ihren Mündern höre. Weit nicht jeder, der bei Pegida mitläuft ist tatsächlich rassistisch eingestellt. Die meisten sind einfach unzufrieden und lassen sich von einem kriminellen Vollidioten für islamophobe und fremdenfeindliche Hetze instrumentalisieren - macht die Sache nicht wirklich besser - Mitläufer halt. Allerdings wäre mir wesentlich wohler, wenn es sich bei der Person in meinem Umfeld um einen Mitläufer handeln würde. (In gewisser Weise passt das Wort Mitläufer ja schon, denn mit selbst nachdenken und auf fundierter Basis Meinung bilden hat das ganze nichts zu tun. ) Er ist aber kein Mitläufer, sondern einer von denen die (ungeachtet der Faktenlage) diese Hetze im Brustton der Überzeugung absondern.

Mir blutet das Herz!

Wie ist dem ganzen beizukommen? Ich hab kein Ahnung. Fakten sind ja nur von der  - bei gefälligen Themen zynischerweise gern zitierten - "Lügenpresse" geschürt. Berichte aus eigenen Erfahrungen, die Empathie hervorrufen sollten, werden mit "Das ist nicht mein Problem" beantwortet. Subversiver Humor wird nur von den Menschen verstanden, die das Denken bereits begonnen haben. Gedankenanstöße, die dafür sensibilisieren sollten, wo eine solch xenophobe Haltung hinführen könnte (ich kann nur hoffen, dass der Konjunktiv hier passt), verhallen ungehört. Bildung. Eigentlich die einzige Möglichkeit, die ich sehen würde. Leider ist das bei den Leuten, die in Dresden mitmarschieren, kaum mehr möglich - wie gesagt, taub für alle Fakten und Tatsachen.

Was mich unglaublich erschreckt ist, dass der Mensch, bei dem ich über Weihnachten diese menschenfeindliche Haltung festgestellt hab, eigentlich immer eher Sympathisant der Antifa war. Aber man hätte es sich denken können. Das Ganze war immer eher Protest als politische Haltung und war immer mit einer guten Portion Verschwörungstheorie unterfüttert. Es hätte mir klar sein können, dass jemand der vereinfachende Theorien unreflektiert als gegeben hinnimmt, anfällig für andere vereinfachende Meinungsmache ist. Aber dass jemand der sich eigentlich immer für die Gleichwertigkeit von Menschen geäußert hat auf einmal das Gegenteil absondert und der Meinung ist, dass einige Menschen kein Recht auf ein würdevolles Leben haben, war mir echt zu abwegig.
Andere Leute, bei denen ich Pegida-Sympathien viel eher angenommen habe, sind durch die Angst vor den aktuellen Entwicklungen in Dresden sehend geworden, haben aber keine Lust, sich in Diskussionen zu verstricken - es ist ja Weihnachten.

Was wollen diese Menschen? Was ist das Ziel von Leuten, die in Dresden jeden Montag auf den Theaterplatz gehen und "Wir sind das Volk" skandieren? Mir ist das nicht so recht klar. Sie haben Angst um den eigenen Wohlstand, sie verstehen die Politik nicht, die glauben der Presse nicht (außer bei Themen, die einem grad mal in den Kram passen), sie haben Angst, dass ihre brüchige Identität von Dingen die anders sind beschädigt wird. Aber ist das wirklich so einfach? Eigentlich viel zu abstrakt und zu einfach.

Wie kann man diese Menschen wieder zu einer Menschlichkeit bringen; dazu ihre eigenen so hoch gehaltenen Werte zu leben? Ich glaube schon, dass das nur mit Kommunikation geht, aber ich habe keine Ahnung, wie man da kommunizieren soll. Wenn diese Leute den Mund aufmachen und mir einen Schwall Hetze ins Gesicht schleudern kann ich nicht ruhig bleiben. Ich kann in diesem Moment nicht ruhig überlegen, was nun die richtige Frage wäre, um diesen Schwachsinn zu demaskieren.

Da ich das nicht kann und logische Diskussionen nicht entstehen, bleibt mir nur am Sonntag wieder zurückzukehren, Dresden zu verlassen und mich in die Arme der Menschen zu begeben, bei denen ich mich wohl fühle. Lieber hätte ich in dieser Woche auch nur einen Menschen zum Nachdenken gebracht, aber so viel Kraft hab ich angesichts solcher Menschenfeindlichkeit nicht. Ich kann mit diesem unreflektierten Hass nicht umgehen und ich will es nicht.

Mittwoch, 28. August 2013

Ich glaub es hackt!

Boah bin ich gerade geladen, das kann man sich kaum vorstellen. Grund dafür ist ein Beitrag über Marzahn-Hellersdorf.

Die Hellersdorfer fühlen sich in ihrer Ruhe gestört. Nee, wie niedlich. Man mag sich nicht auf eine Seite schlagen, eigentlich nur seine Ruhe haben, denn man ackert ja wie verrückt. Sagt mal, geht's noch?

Man stelle sich mal vor, die armen braven Bürger müssen sich ernstlich damit konfrontieren, dass unsere spießbürgerliche mitteleuropäische Idylle nicht wirklich alles ist, was es auf dieser Welt gibt. Ja denkt denn irgenwer tatsächlich, dass ein Mensch diese Odyssey der Flucht freiwillig auf sich nimmt? Wie willkommen andere Menschen in manchen Teilen Deutschlands sind, hat sich mittlerweile fast überall auf der Welt herumgesprochen - dennoch flüchten Menschen hierher. Das tun die nicht aus Spaß! Da geht es ums nackte Überleben!

Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich sowieso kein Freund der Nationalstaatlichkeit bin, ist es aus purer Menschlichkeit unsere Pflicht, Menschen in Not zu helfen. Es gibt so etwas wie Menschenrechte und es leuchtet mir absolut nicht ein, warum man diese von Nationalitäten abhängig machen soll.

Leute, macht doch bitte die Augen auf! Ihr wollt eure Ruhe haben? Ich glaub das einfach nicht...

Dienstag, 20. August 2013

Territoriale Hoheitsgebiete

Immer wieder frage ich mich, wie Mensch wohl dazu kommt, ein Stück Erde als sein Eigentum zu betrachten.
Abgesehen davon, dass ich dieses Besitzdenken, insbesondere im Hinblick auf Rohstoffe und Ressourcen nicht nachvollziehen kann, ist es auch noch verlogen. Auf der einen Seite wird damit argumentiert, dass unser Wohlstand durch zu viele Flüchtlinge gefährdet sei, auf der anderen Seite bedient man sich fast selbstverständlich an den Rohstoffen aus anderen Gebieten und entzieht den Menschen damit ihre Lebensgrundlage. Wenn dann dieselben Menschen in unserer ach so zivilisierten Welt vor der Tür stehen und Hilfe benötigen, sollen sie nicht aufgenommen werden.

Wie kann man nur aufgrund territorialer Ansprüche seine gesamte Menschlichkeit vergessen? Was führt zu einem derart grenzenlosen Egoismus?
Die Argumentation, dass unser Wirtschaftssystem das Aufnehmen aller Flüchtlinge nicht halten kann hinkt und ist verlogen. Wieso sind wir in Sachen Nehmen so global eingestellt, aber wenn es mal darum geht, etwas zurückzugeben ist es auf einmal "unser Land"?
Wie kann man mit Menschen so umgehen? Wieso haben so viele Menschen das Gefühl, sie wären bedroht, wenn andere Menschen aufgenommen werden? Sorry Leute, ich versteh das einfach nicht. In mir tut sich ein riesiges Loch auf, wenn ich an das Leid dieser Menschen denke und wenn ich dann an unsere Gesetzgebung denke wird mir schlecht.

Eine Perle dieser Gesetzgebung ist das europäische Dublin II-Abkommen. Demnach muss jeder Flüchtling in dem Land bleiben, in dem er ankommt. Glückwunsch, wir befinden uns ja nicht am Rande Europas - es kommt also eigentlich kaum jemand hier an. Da sitzt dann der selbstgefällige Mitteleuropäer in seinem Bürostuhl und urteilt über die Zustände in anderen Ländern. Da wird tatsächlich gesagt, dass ein Mensch keinen Anspruch auf Asyl hat, weil er kein politischer oder religiöser Flüchtling ist. Armut ist kein offizieller Grund für Asyl.
Sagt mal - ist das eigentlich eurer Ernst? Hat irgendjemand mal wirklich darüber nachgedacht, was das für diese Menschen bedeutet. Glaubt denn wirklich jemand, dass Flüchtlinge diese Reise auf sich nehmen würden, wenn nicht sein Leben ganz existenziell gefährdet ist? Ich glaube nicht, dass irgendjemand unter uns sich vorstellen kann, was ein Mensch durchmachen muss, um sich zu diesem Schritt zu entschließen. Grund für die Flucht ist zwar wirklich häufig Krieg und Verfolgung, aber auch sehr oft Armut. Häufig geht es dabei um Macht und Besitz.

Dies ist nicht nur an die Länder gekoppelt, wo sich das Elend befindet, sondern findet in einem globalen System statt. Wir alle nehmen daran teil und meistens merken wir es noch nicht einmal. Soweit, so schlecht, aber dann auch noch Menschen zu verurteilen, die aufgrund des Ergebnisses dieses Handelns alles aufgeben müssen  - da fällt mir echt nichts mehr ein...