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Samstag, 17. August 2013

Fernweh

In letzter Zeit bekomme ich immer wieder kleinere und größere Anfälle von Fernweh. Einmal werden sie von einer Reportage auf Arte verursacht, zu einem anderen Zeitpunkt durch das wöchentliche Couchsurfing-Treffen. Immer wieder überkommt mich das Bedürfnis, mich für eine gewisse Zeit von meinem Leben in Deutschland zu verabschieden und einfach in ein völlig anderes Land zu reisen.

Die Traumziele liegen dabei quer durch Zentralasien und den Kaukasus verstreut. Bislang wurde mein Fernweh durch Forschungsaufenthalte in der Ukraine und Kyrgyzstan gestillt aber eine andere Form des Reisens spricht mich auch sehr an.
 Dafür würde ich am liebsten für 3-4 Wochen mit noch ein bis drei Leuten unterwegs sein und von einem Dorf ins nächste wandern.

Ein anderer großer Traum ist eine Zugreise mit der Transsib. Ein herrlicher Gedanke: Erst zu den Weißen Nächten nach Petersburg, dann mit dem Zug nach Moskau, von dort aus weiter bis Vladivostok und dann mit dem Motorrad zurück. Ein Lebenstraum. Vielleicht klappt es ja irgendwann.

Bis mir das möglich ist, werde ich wohl weiterhin mein Fernweh durch Reportagen und Tagträumereinen gleichzeitig schüren und stillen. Die Erinnerungen an und Gespräche über vergangene Reisen sind dabei ein zuverlässiges Hilfsmittel.

Samstag, 3. August 2013

Die Lust am Scheitern

Das Thema Scheitern treibt mich, wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, ziemlich um. Es hat verdammt viele Aspekte und die spannendsten werden häufig übersehen.

Scheitern ist sozial unglaublich negativ belegt und man traut sich kaum, über sein eigenes Scheitern zu sprechen. Wenn ich allerdings meine zarten 30 Lenze zurückdenke, fällt mir Einiges ein, was die Thematik unglaublich attraktiv macht - zumindest für mich und in meinem Leben.

Für euch werde ich hier mal zwei Beispiele bringen, die mich in meinem Leben unglaublich beeinflusst haben und erst auf den zweiten Blick ihr eigentliches Potenzial entfalten.

1. Wie jetzt ich kann nicht studieren, was ich will?

Während meiner Schulzeit hab ich mich immer sehr für Psychologie interessiert. Ich fand es zum Einen spannend, wie Menschen ticken, zum anderen hätte ich so viele Dinge in meinem eigenen Umfeld so gern besser verstanden. Wenn ich jetzt ehrlich zu mir selbst bin, hätte ich vor allem gern mich selbst gern besser verstanden. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet war es ein ziemliches Glück, den NC für Psychologie nicht knacken zu können.
  • Mit Psychologie hätte ich immer wieder versucht mich selbst und mein Umfeld zu analysieren und hätte damit vermutlich immer wieder ne mittelschwere Krise bekommen
  • Die Grundlage eines Psychologiestudiums liegt in Statistik - viel Statistik. Dinge, für die ich zu der Zeit echt nicht bereit gewesen wäre.
  • Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich wirklich mit diesem Fach hätte anfangen wollen.
Besonders der letzte Punkt bringt mich nun zu der Frage, was ich an Fach, was ich statt dessen studierte (Ethnologie) so toll finde.
Nun: Ich hab ehrlich gesagt auch nicht gewusst, was ich damit anfangen soll, aber ich dachte, es wird schon interessant werden.
Das ist einer der Hauptpunkte von der Lust am Scheitern! Wäre ich damals nicht am Psychologie-NC gescheitert, hätte ich folgende Erlebnisse und Erkenntnisse NIEMALS gesammelt:
  • Vermutlich wäre ich mit Psychologie nicht in Tübingen gelandet. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für tolle Menschen, ich da kennengelernt hab - und um jeden einzelnen bin ich froh!
  •  Ohne Ethnologie in Tübingen hätte ich vermutlich auch niemals den Mut aufgebracht, die russische Sprache zu erlernen und meine erste Feldforschung auf der Krim zu unternehmen. Diese Erfahrung hat mich wahnsinnig geprägt. Zum Einen habe ich dadurch mein Sprachkenntnisse endlich anwenden können, zum anderen hab ich gemerkt, wie viel Spaß die ethnologische Arbeit macht (wenn auch einigermaßen anstrengend)
  • Diese erste Erfahrung führte zu meiner Magisterforschung in Kyrgyzstan. Der sommerliche (ungewöhnliche) Regen führte dazu, dass ich mein ursprüngliches Thema nicht bearbeiten konnte. Aus dieser Erfahrung des (fachlich-thematische) Scheiterns heraus konnte ich einen Umgang mit solchen Situationen entwickeln und ein völlig neues Thema hat sich herauskristallisiert: die indigene Bedeutung von Wasser. Dieses Thema, vor allem mit den Ausprägungen in Ritual und Religion, war unerwartet und unglaublich spannend. 
Wenn in meinem Leben alles bis dahin nach Plan gelaufen wäre, hätte ich all dies NIEMALS entdeckt. Um jede einzelne Erfahrung bin ich froh!

2. Wie jetzt, hier hat niemand Arbeit für mich?

Das zweite Beispiel ist noch gar nicht so lang her und eigentlich noch nicht einmal abgeschlossen. Da kommt Eins frisch von der Uni - btw, ein guter Abschluss in Ethnologie und Ostslavisitk - und sucht vollkommen euphorisch nach dem Traumjob. Man hat sich ja gut und gezielt qualifiziert, kann an Fähigkeiten einiges bieten und qualifiziert sich auch noch mit Freude weiter (Projektmanagement).
Stück für Stück erfährt man, dass man auf dem Arbeitsmarkt einfach keinen Platz hat: zu jung, zu alt, zu wenig Praxis, zu wenig religiös (das ist kein!!! Scherz). Von der Arbeit, die ich doch noch in meinem Fach bekommen hätte, wäre mir das Überleben leider nicht möglich gewesen.

Nun hatte ich aber unglaublich viel Zeit am Tag, die verbraten werden wollte. Also fange ich an, Französich zu lernen, Kontakte über Twitter und Barcamps zu suchen, lerne so ein paar Grundlagen absolut anderer Dinge und bewerbe mich auch außerhalb des Faches (deutlich außerhalb).
Das Resultat dabei sind Ideen, die aktuell noch am gären sind, tolle Ideen und ein bischen Ruhe (da zumindest endlich mal ein Job da ist). Eins der bislang konkretesten und faszinierendsten Resultate dieses Scheiterns ist ein Barcamp, was ich mit wirklich sagenhaften Menschen mitorganisieren darf: die Odyssey of Failure.
Was ansonsten aus dieser Zeit noch erstehen wird, wird sich zeigen - wie gesagt, das ist alles noch nicht abgeschlossen.

Was ich eigentlich mit diesem ganzen Blogpost sagen will: es gibt eine Menge Dinge, die schief gehen können. Manchmal passt die ursprüngliche Planung noch nicht einmal damit zusammen, was Eins leisten kann und will. Aber selbst wenn die eigentliche Planung nach einiger Erfahrung eigentlich zu passen scheint, ist der Prozess des Scheiterns und vor allem seine Resultate unglaublich spannend! Was spontane Änderungen des eigenen Lebens bringen, ist zwar unklar, bringt aber Spannung in die Angelegenheit. Angenehm ist das Ganze natürlich nicht und auch ich hätte teilweise heulen können aber diesen Prozess im eigenen Leben zu beobachten ist:

Lust am Scheitern!

Sonntag, 21. Juli 2013

Was für ein Tag!

Ursprünglich war hier ein Berlin-Sehnsucht-Blogpost geplant, aber den kann ich nach diesem Tag einfach nicht mehr schreiben. Natürlich bleibt Berlin ein Sehnsuchtspunkt, aber der heutige Tag war einfach so famos, dass ich gerade nirgendwo anders sein möchte.

Es begann schon wunderbar, indem ich ausgeschlafen und bereits vor 8:00 Uhr aufwachte, neben mich blickte und meinen Freund sah - immer wieder schön. Nach einem leckeren Kaffe und Frühstück ging es auf zu einem schönen Sonntagslauf in den nahe gelegenen Wald- ja, ich kann wieder laufen, tolle Erkenntnis! Zwischen dem Wald blitzte immer wieder das Bodenseepanorama auf und ich glaube ich muss irgendwann mein Handy mitnehmen, um euch eine Ahnung davon vermitteln zu können, wie schön es hier manchmal ist.

Anschließend ging es mit leckerem, kühlen Bier an den See, um mich eine Stunde später mit ein paar Couchsurfern zum Standup-Paddeling zu treffen. Das ist so hipper Kram, wo man auf einem überbreiten Surfbrett steht und sich stehender Weise auf dem Wasser fortbewegt. Die Ausrüstung haben wir bei dem überaus sympathischen Bootsverleih beim Campingplatz Sandseele auf der Reichenau ausgeliehen. Was soll ich sagen... Sonne satt, tolle Menschen, See und diese Bretter: wackelig genug um Spaß zu haben und stabil genug, um genau diesen nicht zu verlieren.

Jetzt lieg ich mit einem leckeren Salat, Bier und Mann im Bett, lasse diesen zraumhaften Tag Revue passieren und freue mich meines Lebens!

Glücklich und platt, eure Plapperschlange. #hach