Montag, 19. Mai 2014

Diese Diskussion über Erfolg

Inspiriert von einer Abbildung, habe ich letzte Woche folgenden Tweet/Post
in meine Timeline geworfen. Der Post rief auf Facebook eine längere Diskussion über Erfolg und Scheitern hervor, was mich zugegebenermaßen etwas überrascht hat. Eigentlich musste das nur mal kurz raus.

Was hat mich aber an diesem Bild so sehr gestört? Eigentlich gleich mehreres. Der eine Punkt ist, dass diese Abbildung suggeriert, dass Scheitern ein zwangsläufiger Teil des Weges zum Erfolg ist - eigentlich nur ein Knick in der Laufbahn. Dem ist nicht so! Scheitern bedeutet einen Endpunkt und ist alles andere als ein Teil der Erfolgslaufbahn, schön, sexy und was da sonst noch alles für Blüten kursieren. Scheitern tut weh und sollte als Endpunkt ohne weitere Aussichten anerkannt werden dürfen. Wenn ich auch noch beim Scheitern unter Erfolgsdruck stehen soll, bekomme ich schon beim Gedanken daran einen Schreikrampf. Es kann ja sein, dass aus der Erfahrung eines Scheiterns etwas heranwächst, was ich persönlich als Erfolg empfinde oder was andere als Erfolg an mir empfinden - muss aber nicht und ist in diesem Moment auch vollkommen egal.

Der zweite Punkt ist, dass impliziert wird, es sei klar was Erfolg ist. Ich habe damit so meine Probleme. Ist Erfolg etwas, was ich für mich persönlich definiere? Wenn ja, warum muss man ständig darüber reden und warum wird das im Allgemeinen so wichtig genommen? Wieso gibt es Unmengen an Beratungsliteratur (dieses Genre ist dabei ein Thema für sich - grmpf), wenn Erfolg doch etwas individuelles ist?
Wenn es hingegen nichts persönliches ist, frage ich mich, warum ich danach streben sollte, erfolgreich zu sein. Gibt es irgendeinen wirklich objektiven Vorteil oder geht es nur darum, Leute zu beeindrucken, die einem menschlich eigentlich egal sind? Oder ist es einfach so, dass das ja so zu sein hat und damit einfacher ist, als zu hinterfragen?

Häufig höre ich von Bekannten, dass sie Menschen als erfolgreich einordnen, die eine gewisse Führungsposition im Job haben, gewisse akademische Titel tragen, gewisses Geld angehäuft haben, gewisses Haus gebaut haben und gewisse Ehe mit Kindern führen. Wie sich diese Menschen fühlen, bleibt dabei völlig außen vor. Die meisten Leute, die sich in solchen Leben mit klaren Verläufen befinden, brechen irgendwann aus und wissen gar nicht woraus und warum - denn eigentlich war ja alles in Ordnung und man war ja erfolgreich. Dann heißt es auf einmal, Erfolg ist nicht alles. Aber war das Erfolg?

Ich persönlich verfolge keines dieser Ziele explizit. Es gibt Momente, in denen sich das verdammt komisch anfühlt, denn es wird von vielen erwartet dass ich weiß, wo das alles hinführt. Nö, weiß ich nicht! Und das ist OK so. Bislang ist mir mein Leben noch nicht um die Ohren geflogen, nur weil ich keinen Masterplan habe. Dafür hat es aber immer mal wieder Wendungen genommen, bei denen ich mich erstmal sehr gründlich umschauen musste, um mich wieder zu orientieren. Das mag ich, das macht mir Spaß und ich habe keine Lust, mir diese Kreativität durch Erfolgsdruck und ständigem Verfolgen von Zielen selbst zu zerstören. Und nein - das ist kein Ziel, sondern ein Verlauf.

Kommentare:

  1. Also erstens scheint mir diese Diskussion um Erfolg und Scheitern viel essayistischer zu sein als analytisch. Denn hier zählen und prägen explizite Geschichten und implizite Vorbilder viel mehr als Argumente es tun. Was freilich ein Argument ist.
    Und zweitens mag ich es viel lieber, das Scheitern als etwas ganz Unverkrampftes zu sehen, das kein Endpunkt ist, sondern ein Zwischenschritt. Wie das Kind, das gerade Laufen lernt, es mit dem Hinfallen sieht. Gerade im Hinblick auf die Diskussion um Erfolg - also in Verbindung mit Zielen - blicke ich da, wo der Erfolg am größten ist, stets auch auf eine lange Geschichte des Scheiterns zurück. Darum mag ich einen spielerischen Umgang mit dem Misserfolg am liebsten.
    Wittgenstein hat die Sprache mal mit dem Bogenschießen verglichen. Auch wenn kein einziger Pfeil ins Schwarze trifft, so zeigt die Summe der Wörter und Worte dennoch klar die Richtung an. Und so ist es auch mit der Richtung des ganzen Lebens. Du kannst laufend daneben treten und kommst dennoch voran.

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  2. Woran macht sich denn dein Eindruck fest? Meinst du damit die Art, wie ich mit Begrifflichkeiten umgehe oder wie ich versuche die Trennung der Begrifflichkeiten zu kommunizieren?

    Mir ist eine Trennung bestimmter Begrifflichkeiten wie Scheitern und Fehlschlag wichtig, da es Auswirkungen auf gesellschaftliches Klima hat, wenn diese nicht getrennt werden. Ein Fehlschlag, der sich auf dem Weg zum Erfolg (wie auch immer Ego diesen definiert hat) ist normal und ich habe keinerlei Problem damit, diesen spielerisch zu betrachten. Problematisch wird es bei mir an der Stelle, wenn ein solcher Fehlschlag als Sinnbild für Scheitern genommen wird. Ein Fehlschlag ist kein Scheitern, da es danach weitergehen kann. Für mich ist ein Scheitern eben ein Endpunkt und ich finde es unglaublich wichtig, dies zu kommunizieren und damit Menschen, die damit konfrontiert sind zu sagen, dass es OK ist.
    Natürlich haben explizite Geschichten uns dazu gebracht, uns näher mit dem Scheitern auseinanderzusetzen, aber ich sehe nicht, wieso das einer Analyse im Wege stehen sollte. Genau diese expliziten Geschichten zeigen Momente auf, an denen dieses Erfolgsgeprägte Weltbild Risse bekommt. Diese Geschichten sind dabei allerdings keine Einzelfälle, sondern es gibt viele Leute, die sich aufgrund niederschmetternder Erlebnisse des Scheiterns mit persönlichen Endpunkten konfrontiert sahen und deshalb das eigene und kommunizierte Weltbild in Frage stellen mussten. Einge Menschen schaffen das, andere hingegen nicht.

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